Bei Spätfrost abdecken oder nicht?

Es hat sich für die nächsten Tage auch in den milderen Regionen Deutschlands noch einmal Frost angekündigt. Doch trotzdem muss man nicht alle Hortensien jetzt abdecken – sollte man in manchen Fällen sogar lieber nicht. Wir haben hier ein paar Tipps und Erläuterungen.

Raureif auf Hortensie

Autsch! Diese Hortensie hat der Spätfrost erwischt.

Die einen Hortensienfreunde bleiben beim Stichwort „Spätfrost“ völlig gelassen und berichten, dass bei ihnen trotzdem alles immer blühe. Andere fürchten bei dem Thema schon wieder das Schlimmste für ihre Blütenpracht und raten aus ihrer Erfahrung heraus, Hortensien unbedingt abzudecken. Und wie so oft im Leben gilt auch hier: beide Seiten haben recht, und beide Seiten haben auch ein Stück weit unrecht. Es kommt nämlich auf zwei Dinge an: Welche Hortensien genau man hat, und wie die Wetterlage im eigenen Garten in den letzten Wochen so war.

Die Hortensien-Typen

Man kann es eigentlich gar nicht of genug sagen: Es gibt sehr verschiedene Hortensienarten mit jeweils sehr verschiedenen Eigenschaften. Wer daher Pflegetipps für Hortensien gibt oder über Erfahrungen aus dem eigenen Garten spricht, sollte bitte unbedingt immer die Art dazu nennen, sonst kann die gut gemeinte Hilfe zu großen Fehlern führen. Auch beim Thema Spätfrost ist dies sehr wichtig, denn während einigen Hortensienarten Spätfrost völlig wurscht ist, ist er für andere in Sachen Blütenpracht durchaus eine große Gefahr.

Für die verschiedenen Hortensienarten ist Spätfrost unterschiedlich gefährlich.

Aufpassen bei angekündigtem Spätfrost müssen alle diejenigen, die eine klassische Bauernhortensie besitzen (Hydrangea macrophylla). Auch Rauhblatthortensien (Hydrangea serrata), Samthortensien (Hydrangea sargentiana) und Eichblatthortensien (Hydrangea quercifolia) haben frostempfindliche Blütenknospen. Diese Hortensienarten haben ihre Blüten für dieses Jahr bereits im vorigen Herbst angelegt. Erfrieren sie nun im Frühjahr, kommen keine neuen. Einzige Ausnahme sind so genannte remontierende Sorten der Bauernhortensien, zum Beispiel Everbloom oder You&Me Romance, die auch im Frühjahr noch Blüten nachbilden können. Die Blütenpracht wird aber niemals so üppig werden, wie ohne Frostausfall.

Hingegen ist Spätfrost eher kein Problem bei Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) und Waldhortensien (Hydrangea arborescens). Diese bilden ihre Blüten erst im Frühjahr. Frieren die ersten Blütenansätze bei Spätfrost ab, kommen neue nach.

Lesetipp: Wenn Sie noch mehr zu den Eigenschaften der verschiedenen Hortensienarten erfahren möchten, empfehle ich Ihnen meinen Blogbeitrag „Der goldene Schnitt“. Die verschiedenen und oft verwirrenden Namen der Hortensienarten habe ich im Blogbeitrag „Verwirrung um die Namen“ erklärt.


Die Wetterlage der Vorwochen

Hortensie Knospe

Keine Gefahr: Diese Knospe ist noch weit genug geschlossen, dass sie leichten Frost aushält.

Wir schauen nun also auf die oben genannten frostempfindlichen Arten. Ein zweiter wichtiger Punkt in der Frostschutz-Frage ist für diese Arten, wie im eigenen Garten oder im Winterquartier das Kleinklima in den letzten Wochen war. Und wie weit die Hortensien in der Folge nun tatsächlich schon ausgetrieben sind. Die Blütenansätze liegen in den Knospen unter vielen Schichten Hüllblättern verborgen. Liegen diese Blätter noch fest geschlossen oder zeigen sie gerade erst ein, zwei Spitzen, machen ein, zwei Grad Frost den Blütenansätzen auch jetzt nichts aus. Dann sollte man sie auch besser gar nicht abdecken, denn unter der Abdeckung wird es tagsüber schnell so warm, dass die Blüten dadurch noch weiter aufgehen und noch empfindlicher werden. Dann kann die nächste kalte Nacht ihnen doch zum Verhängnis werden. Ohne Abdeckung ist es hingegen so kalt, dass die Hortensien ihr weiteres Austreiben sofort einstellen und die Blüten weiter gut geschützt sind. Wohlgemerkt muss man bei der Entscheidung für oder gegen eine Schutzabdeckung immer genau auf das Kleinklima achten. Stehen die Hortensien windgeschützt oder nicht, macht das gleich ein paar Grad Unterschied. Ist es regnerisch oder nicht? Habe ich die alten Blüten schon abgeschnitten oder stehen sie als Schutz noch über den neuen Knospen? All das spielt eine Rolle.

Hortensie Schloss Moyland Knospe

Frostgefährdet: Schon recht weit geöffnete Knospe der Bauernhortensie „Schloss Moyland“.

Sobald sich die Blätter der Knospen hingegen schon gut sichtbar geöffnet haben, weil es am Standort in den Vorwochen schon mild war, wird es klarer: Jetzt ist Frost definitiv kritisch. Dann macht eine Abdeckung durchaus Sinn. Wobei auch hier gilt: Wirklich nur während der Froststunden abdecken. Wird es tagsüber milder und kommt womöglich noch die Sonne heraus, wird es unter einem Frostschutz schnell so warm, dass die Hortensien direkt noch schneller weiter austreiben. Und das möchten wir ja nicht.

Wenn Abdecken – womit dann?

Hortensien abdecken Spätfröste

Eine Möglichkeit für Frostschutz: Bettlaken auf stützenden Stangen.

Wer sich entscheidet, seine Hortensien abdecken zu wollen, kann zu vielem greifen. Abgeschnittene Äste und Laub zum Beispiel. Gemüsevlies, Jute, ein Bettlaken (vorsicht, bei Regen wird es schwer) und sogar Noppenfolie (aber nur kurzfristig, sonst vertrocknen die Hortensien). Genaueres zu diesem Thema steht unter Punkt 4 in diesem Blogbeitrag.

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